Beziehungen in inneren Wirklichkeiten

von Bindung, dem Du und Ich und dem was dazwischen liegt

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  • Mein Kokon

    Mein Kokon

    Du bettest ein. Samtig weich. Beschützend. Wärmend. Geborgen. Umhüllend, mit fein gewobenen Netzen, die Atem geben. Du nährst Leben – nicht wachsend, aber bewahrend. Du trägst stille Kraft in dir. Kannst mitschwingen, halten, anspannen, hart werden. Im Widerstand, in meinem Takt.
    Du bildest neue Schichten, so weich, dass das Innere kaum fühlbar bleibt.Auch das tust du aus Kraft. Aus Würde.Dann hältst du Atem, bis ich dich wieder brauche.Manchmal schneidest du mich ab von meinen Gefühlen, meinem Leben, von mir selbst, damit ich leben kann.Manchmal bist du Schweigen zwischen mir und der Welt, ein Mantel aus Not,  ein Abschied vom Fühlen. Und doch:  deine Stille trägt Treue. Deine Dunkelheit hält Wärme. Dein Schweigen ist kein Ende –sondern ein Warten. Du bist eine Haut, die wachsen kann, ein Zwischenraum. In der Mitte von Wunde und Leben. Du gabst mir Trauer, wo ich sie nicht fühlen konnte. Abschied, wo ich nicht gehen konnte. Nähe, wo keine da war.  Du hast Schmerz in ein sanftes Nest verwandelt. Das Kostbarste in dir blieb verborgen: Unschuld. Das Kleine, das nicht fallen durfte. Lange sah ich dich als Last, als etwas Zerstörerisches. Doch nicht du warst das Fremde. Du warst mein Ich.  Du hast dem Fremden. einen Platz gegeben – außerhalb von dir, mit Stimmen von Trauer und Wut, mit Mauern, Sätzen, Antreibern, die mich jagten, damit ich nicht zerfiel. Heute erkenne ich: du hast bewahrt, getragen, gehalten, was nicht zerbrechen durfte, was ich nicht konnte. Jetzt willst du dich verweben In der Weite. Laut und leise. Atmend. Werdend. Mit mir.  Du bist nicht meine Schwäche, nicht meine Last. Nicht gegen mich. Du bist für mich. Verkörperte Weisheit. Mein Schutz. Meine Kraft. Still. Treu. Und deine Begleiter haben das Leben bewahrt über all die Jahre. Du hast gewartet, bis ich kann Jetzt trage ich dich. Deine Hülle darf sich lösen. Mit feinen Rissen  und zarten Lichtfäden, verwoben in meine Fasern. In mein Blut – durch Zeit, Atem, durch Berührung. Nun darf ich selbst bewahren, was du einst geschützt hast: mich. 

    Du, mein Kokon.